Sinn-Ökonomie. Oder das Gute in der Wirtschaft

Der Begriff der Sinn-Ökonomie geistert immer mal wieder durch die Gazetten. Geprägt hat ihn Aaron Hurst. Gemeint ist damit, dass sich immer mehr Menschen in gemeinnützigen Organisationen engagieren, entlohnt durch das „unbezahlbare Gefühl, etwas wirklich Sinnvolles zu leisten.“ Der Gegenwert dieser unbezahlten Leistungen beläuft sich alleine in den USA jährlich auf eine Summe von mehreren Milliarden Dollar.

Das Bemerkenswerte an dieser Beobachtung ist Folgendes: „Das unbezahlbare Gefühl“ oder das „Sinnvolle“, erzeugen eine innere Motivation, die, in diesem Beispiel, stärker wirkt, als der äußere Anreiz „Geld“. Arbeit erscheint hier als freiwillige Leistung, nicht als äußere Notwendigkeit. Das funktioniert natürlich nur, wenn für die Notwendigkeiten des Lebens bereits gesorgt ist. Die Blüte des Sinnvollen gedeiht auf dem Humus der Notwendigkeit.

Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.

Das Brechtsche Diktum vom Fressen und der Moral bedeutet für uns, die wir satt sind, die Freiheit zum moralischen Handeln. Wer satt ist, bekommt Appetit auf das Sinnvolle, „auf das unbezahlbare Gefühl, etwas wirklich Sinnvolles zu leisten“. Das funktioniert, wie von Hurst beschrieben, über gemeinnützige Arbeit. Aber nicht nur.

Es funktioniert genauso über den Konsum, etwa über den Kauf von Bio- oder Fair-Trade-Produkten, von Produkten, die nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit hergestellt werden. Oder, wie ein Beispiel aus Schweden zeigt, über Freizeitbeschäftigungen wie das Plogging — Joggen und dabei Müll aufsammeln, also gleichzeitig etwas für sich und etwas für die Umwelt oder das Stadtbild tun (etwas wirklich Sinnvolles).*

Grundsätzlich gilt, aller Missstände und Verfehlungen zum Trotz: Je ausdifferenzierter, je entwickelter Wirtschaft wird, umso mehr Möglichkeiten bieten sich dem Einzelnen, über sein individuelles Verhalten, das Sinnvolle zu tun und zu fördern. In den Worten Erich Kästners:

Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es. 


* Zugegeben, hier fehlt der offensichtliche Bezug zur Ökonomie. Das verbindende Element ist der Wunsch, über das Notwendige hinaus etwas Sinnvolles zu tun

 

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